Kolumbien: Staat verrät Opfer des Konflikts – illegale Vertreibungen gehen weiter

Kurzfassung und deutsche Übersetzung des Artikels von Florence Oberholzer

Hier geht’s zur ausführlichen Version in Englisch, mit Bildern und Bibliographie.

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Das bittere Gefühl von Ohnmacht angesichts sozialer Ungerechtigkeit, besonders wenn sie vom Staat verantwortet wird, kann überwältigend sein.

Am Mittwoch, 13. Dezember fand ein regelrechter Coup statt in den beiden Dörfern von El Guayabo und Bella Unión im Departement Santander, durchgeführt von der lokalen Regierung und der Polizei: eine Zwangsräumung der Parzellen von neun Familien – mindestens 40 Personen sind davon unmittelbar betroffen, da ihre Lebensgrundlage und ihr Einkommen aus diesen Parzellen stammen. Drei weitere Parzellen und etwa 20 Personen mehr sind durch die Weiterführung der Zwangsräumung bedroht. Eine humanitäre Krise ist zu erwarten.

Ebenso wie ein früherer Räumungsversuch von 2013, angeordnet von einem Richter, welcher in der Folge wegen Verbindungen zum Paramilitarismus verhaftet wurde, verstiess die Zwangsräumung vor ein paar Tagen gegen elementare Vorschriften und Grundsätze bei der Durchführung. Hier folgt ein Bericht über die Ereignisse jenes Tages …

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Colombian State fails victims of the armed conflict as farmer evictions continue

Original article published on my personal blog www.peaceinsightcolombia.com

The taste of social injustice, especially when committed by the State, is bitter. The feeling of impotence is overpowering.

On Wednesday 13 December, local government and police forces engineered a coup in the rural communities of El Guayabo and Bella Unión, in the Colombian department of Santander. About one hundred policemen, half of them from the riot control unit, successfully evicted 9 peasant families from their land (affecting at least 40 people). These farmers now face a humanitarian crisis due to loss of their livelihoods.

The fight over the land goes back to 2002, when the present land claimant, son of the original landowner, sent paramilitaries to forcefully displace the occupiers who were exercising their right of possession over land abandoned by his father decades earlier (1994 Law 160 stipulates the conditions for the legal acquisition of abandoned land: more than a couple of years of abandonment by the owner and the productive use of the land by the new occupiers).

While the two communities managed to resist this paramilitary incursion, which later granted them the status of victims of the armed conflict by the State, the farmers have been confronted with threats, physical aggressions, destruction of private property and attempts at criminalization ever since (see one of my first blog articles on the criminalization of social leaders). Numerous complaints against the land claimant were filed, but no legal investigation was ever opened.

Like the first eviction attempt in 2013, led by a police inspector who was later arrested due to his uncovered links with paramilitaries, the eviction that occurred a few days ago was equally fraught with procedural irregularities. Here is an account of what happened that day… Colombian State fails victims of the armed conflict as farmer evictions continue weiterlesen

Colombia’s dirty business: the role of private sector interests in the Colombian armed conflict, case study of Las Pavas

What are the impacts of armed conflict on a country’s economy? Most academics and conflict experts tend to stress the negative economic impact of armed conflict and civil war, what with the disruption of production and trade as well as the plundering and extortion of civilians.

Despite this widespread consensus, a few countries that have had long and protracted conflicts do not seem to have been very affected economically. Colombia is a prime example, with its almost unbroken history of economic growth and strong agricultural production coexisting with world-record levels of forced displacement, a product of its 50 year-old conflict.

Is it possible to conceive reverse causation as a potential explanation, with violence at times actually being a means for capital accumulation? What role does the agro-industrial sector play in Colombia’s armed conflict? The community of Las Pavas that I visited last week is a good starting point to explore these questions… Colombia’s dirty business: the role of private sector interests in the Colombian armed conflict, case study of Las Pavas weiterlesen

Frieden von unten: 30 Jahre ATCC

Ein ganz besonderes Highlight unseres kurzen Einsatzes in Kolumbien fand letztes Wochenende in La India statt, in der Provinz Santander: Die ATCC (Vereinigung der Arbeiter und Bauern der Cararegegend) feierte ihren 30. Jahrestag mit einem dreitägigen vielseitigen Programm. Aus allen ‚unseren’ Comunidades waren die wichtigsten Vertreter eingeladen, und wir wurden gebeten diese zu begleiten. Nun mag ein Jubiläum eines Bauernvereins nicht sehr aufregend klingen, aber die ATCC ist ein aussergewöhnliches Beispiel zivilen Widerstandes mit einer aussergewöhnlichen Geschichte. Auch war sie die erste Organisation, die Peace Watch Switzerland begleitete, als die NGO vor 9 Jahren mit der Arbeit in Kolumbien begann. Entsprechend freudig wurden wir begrüsst.

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Bienvenido a la libertad, Alvaro García!

Freitag, der 13. kann auch ein Glückstag sein!

Nach 18 Monaten Haft wurde Álvaro García am letzten Freitag endlich entlassen und konnte auf seine Finca in Bella Union zurückkehren! (Siehe Post vom 21. November 2016)

Seit Frühling 2016 haben alle Equipos von PWS Álvaros Fall mitverfolgt, sind während zahllosen Verhandlungen und Anhörungen vor dem Gerichtsgebäude und vor dem Gefängnis gestanden, auch wenn es regnete, zusammen mit Vertretern anderer Organisationen, die sich wie PAS für Álvaros Freilassung einsetzten.  Und wir, das neue Begleitteam seit September, hatten das Glück bei der Freilassung dabei sein zu dürfen, und seine Heimreise zu begleiten.

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Ein unvergessliches Gespräch

Als Aco (Acompañante bzw. MenschenrechtsbegleiterIn) hat man auch freie Tage zur Erholung. Ich bin auf dem Weg nach Panachajel, Ortschaft am berühmten, weil landschaftlich so schönen Lago de Atitlán. «Warst Du schon am Lago?» hatte mich eine Kollegin kürzlich gefragt. Ich wusste genau, welchen See sie meinte, denn nur dieser schönste aller Seen von Guatemala wird abgekürzt so genannt. «Nein, aber ich will noch gehen», sagte ich, denn ich hatte mir schon lange vorgenommen, vor der Rückkehr in die Schweiz dort meine letzten freien Tage zu verbringen.

Und nun ist es soweit.

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Der «Patojismus» – selbstbestimmtes Lernen in Guatemala

Am 21. Juli kommen wir im farbenfrohen Jocotenango, nahe bei Antigua Guatemala, an. Wir freuen uns sehr darauf, uns auf dem geschmückten Schulhof unter die Kinder zu mischen, und werden dort auch herzlich empfangen. Wir finden hier eine Quartierschule, deren Gründer nicht als solcher bezeichnet werden möchte. Für ihn ist «Los Patojos» («die Kinder» in der Umgangssprache der spanischsprechenden GuatemaltekInnen) ein weitaus vollständigeres Programm als das, was die Leute gemeinhin unter «Schule» verstehen.

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Bildung die schützt. Wie PAS Jugendlichen Strategien und Instrumente zum Selbstschutz vermittelt.

Interview mit Zenaide Rodrigues, Koordinatorin von Pensamiento y Accion social (PAS) und Verantwortliche des Begleitprogrammes von PWS in Kolumbien. Sie spricht über die Beteiligung der Jugendlichen am Schutz und der Bewahrung des gemeinschaftlichen Landes.

Workshop
Zenaide Rodrigues beim Leiten des Workshops: „Stärkung der Beteiligung der Jugendlichen an der Bewahrung des gemeinschaftlichen Landes“ mit Jugendlichen des Vereins ASOCAB in Las Pavas. 19.08.2017. Foto: Guillaume Bégert (PWS).

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Die Kriminalisierung der Ch’orti‘ aus Corozal Arriba geht weiter

Am 19. Mai dieses Jahres wurden José Mendez Torres, indigener Bürgermeister von Corozal Arriba sowie der Schatzmeister der selben Gemeinschaft, Melvin Álvarez García, verhaftet. Am 9. Juni nahm die Zivilpolizei Guatemalas (PNC) in der Gemeinde La Union, Departement Zacapa, Ignacio Sacarías Vasquez und eine weitere Person fest. Die Gemeinschaft (Comunidad) Corozal Arriba ist eine von vielen Ch’orti‘ Dörfern im Grenzgebiet zu Honduras und gehört zu einer Maya-Ethnie, die über 60’000 Menschen zählt. Corozal Arriba wird von COMUNDICH (Koordination von Verbänden und Gemeinschaften für die integrale Entwicklung der Ch’orti‘) begleitet, einer zivilgesellschaftlichen Organisation ohne politische, kommerzielle oder religiöse Absichten. COMUNDICH gehören 48 indigene und bäuerliche Gemeinschaften an. Die Zusammenarbeit zwischen ACOGUATE und COMUNDICH besteht seit 2007.

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Von den unsäglichen Mühen einer starken Zivilgesellschaft

Guatemala braucht eine starke Zivilgesellschaft

So hiess es nach den Friedensverträgen von 1996, als das vom 36-jährigen bewaffneten internen Konflikt (Conflicto Armado Interno, CAI) schwer geprägte Land sich daranmachte, seine Wunden zu heilen.

Der vergangene 5. April, ein froher, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt ausstrahlender Marsch unter blauem Himmel mit grosser Teilnehmerzahl[1], die Begehung des internationalen Tags der Umwelt, eine «Caminata del Medio Ambiente» von Chuchuapa nach Santa Maria Ixhuatán im Departement von Santa Rosa stärkte bei mir die Überzeugung: Es gibt hier eine starke Zivilgesellschaft! Es gibt sie jedenfalls im Departement Jalapa und im Departement Santa Rosa, wo zwei Organisationen tätig sind, welche ACOGUATE begleitet.

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