El Estor: Schüsse gegen das Haus der Menschenrechtsverteidigerin Angélica Choc

Am Freitag, den 16. September 2016, wurden von bislang Unbekannten Schüsse gegen des Haus unserer Begleiteten Angélica Choc abgegeben, während sie und zwei ihrer Kinder drinnen am schlafen waren. Am Morgen rief sie die Polizei, die Patronenhülsen auf der Strasse und vier Einschusslöcher in der Wand des Hauses fand. Momentan gibt es noch keine Verdächtigen für den Vorfall.

Zwei unserer Acompañantes reisten in der Folge nach El Estor und von dort mit Angélica nach Morales im Departament Izabal, damit sie Anzeige erstatten kann.

Angélica Choc ist Menschenrechtsverteidigerin und unter anderem Klägerin in einem Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Sicherheitschef der Compañia Guatemalteca de Niquel, CGN. Der Angriff geschieht zum Zeitpunkt, als sich dieser Prozess in einer entscheidenden Phase befindet. Es wird erwartet, dass der Prozess bald ein Ende nimmt. Wir begleiten auch den Prozess seit Monaten, obwohl er hinter verschlossenen Türen stattfindet. Unsere wöchentliche Präsenz ausserhalb des Gerichtssaals gibt Angélica moralische Unterstützen und ist auch ein Signal an den lokalen Justizapparat, dass die internationale Öffentlichkeit darüber informiert wird, was in Puerto Barrios (6 Busstunden östlich von Guatemala Stadt) entschieden wird.

Angeklagt ist Mynor Padilla. Er ist der mutmassliche Mörder von Adolfo Ich, dem Ehemann von Angélica Choc. Der Lehrer und Gemeinde-Leader Adolfo Ich wurde 2009 erschossen, als Sicherheitsleute des Nickelunternehmens begannen, eine Gemeinde in der Nähe von El Estor zwangszuräumen. Am 27. September 2016 jährte sich dieser Vorfall zum siebten Mal. Angélica und ihre Verwandten und FreundInnen hielten zu diesem Datum deshalb eine Maya Q’eqchi Zeremonie ab. In der Kleinstadt El Estor wohnen aber nicht nur die Verwandten und FreundInnen von Angélica, sonder auch die Familie des angeklagten Ex-Sicherheitschefs der Nickelmine. Wir sind wegen dem Angriff auf das Haus von Angélica Choc vor zehn Tagen mit einem Team von Menschenrechtsbeobachtenden vor Ort und haben die Aktivität begleitet.

Angélica Choc ficht den Kampf für ein Gerichtsurteil nicht nur auf nationaler Ebene aus, sondern es sind im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen des Nickelunternehmens CGN auch drei Verfahren in Kanada hängig, wo die frühere Muttergesellschaft der CGN, HudBay Minerals, ihren Sitz hat. Eines dieser Verfahren dient ebenfalls dazu, die Verantwortlichen für den Tod ihres Ehemannes zur Rechenschaft zu ziehen. Nach dem Schüssen auf ihr Haus erzählte uns Angélica, dass sie sich vor allem um die Sicherheit ihrer fünf Kinder sorgte: „Wenn meine Kinder zur Arbeit fahren oder zur Schule gehen, bin ich am Zittern“. Auch wegen der Belastung für ihre Kinder hofft sie, dass der nationale Prozess nun bald ein Ende finden wird. Gleichzeitig scheint es die Strategie der Verteidigung des Angeklagten Mynor Padilla zu sein, den Prozess mit immer neuen Beweismitteln in die Länge zu ziehen, um ein gültiges Urteil auch sieben Jahre nach den Ereignissen zu verhindern.

Wegen der erhöhten Gefahrenlage erhält Angélica Choc nun wieder viel internationale Aufmerksamkeit und auch die nationalen Institutionen kommen in Bewegung. Es bleibt zu hoffen, dass diese Solidarität zumindest bis zum Ende des nationalen Prozesses anhält und Angélica zusätzlich Energie daraus schöpfen kann.

Laura Kleiner & Cécile Bannwart, 28. September 2016

Bild:  © Christopher Eriksson 2016

Weitere Infos zum Attentat auf Angélica Choc sowie über den Fall im Allgemeinen (Zusammenfassung und Chronologie) finden sich auf der Website von PWS.

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