Unterwegs für mehr Solidarität

Die Guatemalanetze Bern und Zürich organisieren im Februar 2018 eine zweiwöchige Delegationsreise nach Guatemala. Im Zentrum stehen Besuche und Austausch mit MenschenrechtsaktivistInnen und -organisationen in Guatemala Stadt sowie in den Regionen Huehuetenango und San Marcos. Insgesamt werden zwölf Personen aus der Deutschschweiz nach Guatemala reisen. Die Redaktion des «Infobulletins Guatemala-Netz Zürich» hat die Reiseteilnehmerin und ehemalige PWS-Freiwillige Michèle Jöhr aus Bern nach ihren Beweggründen und Erwartungen gefragt.

Warum hast du dich für die Reise entschieden?

Ich war 2013 für drei Monate mit Peace Watch Switzerland als Menschenrechtsbegleiterin im Einsatz und habe dadurch einen speziellen Bezug zu Guatemala. Seit zwei Jahren bin ich auch im Vorstand des Guatemalanetzes Bern. Im Alltag in der Schweiz bin ich oft von Arbeit und anderen Dingen absorbiert und was in Guatemala passiert, rückt etwas in den Hintergrund. Die Reise ist für mich eine ideale Gelegenheit, mich zwei Wochen intensiv mit der Menschenrechtslage in Guatemala auseinanderzusetzen, Informationen von Betroffenen direkt vor Ort zu erhalten und Solidarität zu zeigen. Ich denke, dieser Austausch ist nicht nur sehr wertvoll für die Arbeit im Vorstand des Guatemalanetzes, sondern auch eine persönliche Bereicherung.

Was werdet ihr während den zwei Wochen in Guatemala unternehmen?

Wir haben ein ziemlich volles Programm. Wir werden verschiedene Organisationen und Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten besuchen – wovon die meisten aufgrund von Megaprojekten oder Landkonflikten für ihre Rechte kämpfen. Zum Beispiel steht ein Besuch in der Gemeinde La Puya an, wo die BewohnerInnen friedlichen Widerstand gegen eine Goldmine leisteten. Die Folge waren Bedrohungen, Kriminalisierung und Gewalt. Wir werden auch in die Regionen Huehuetenango und San Marcos reisen. Auch dort erleidet die hauptsächlich indigene Bevölkerung Repressionen, weil sie sich gegen den Bau von Wasserkraftwerken wehrt. Schliesslich werden wir auch einen grossen Teil der Reise in Guatemala Stadt verbringen, weil sich dort die Büros vieler wichtiger Organisationen befinden.

Kritische Stimmen würden vielleicht sagen, du machst eine Art von Armutstourismus. Du gehst immerhin – krass ausgedrückt – zwei Wochen in die Ferien, um dir das Elend der Leute anzuschauen.

Ich fahre nicht nach Guatemala, um mich durch einen Slum führen zu lassen und zu sehen, wie wenig die Leute haben. Klar kann man sich fragen, was es denn bringt, wenn ein paar SchweizerInnen zwei Wochen nach Guatemala fahren. Ich denke, wir können mit dieser Reise Verschiedenes bewirken: Einerseits können wir als Guatemalanetze Bern und Zürich unsere Verbindungen zu den Organisationen in Guatemala stärken und eine wichtige Vernetzungsarbeit mit politischen Akteuren, Akteurinnen und NGOs in der Schweiz leisten. Andererseits können wir als Einzelpersonen unser Umfeld sensibilisieren, indem wir über unsere Erlebnisse berichten. Allein zu spüren, dass ihre Anliegen angehört und weitererzählt werden, gibt vielen Betroffenen Kraft und Mut, weiterzumachen.

Hast du Angst, dass eure Anwesenheit in Guatemala falsche Hoffnungen weckt?

Nein, eigentlich nicht. Wir haben diese Frage auch während unserem Vorbereitungstreffen diskutiert. So lange wir klar kommunizieren, habe ich keine Bedenken. Man darf auch nicht vergessen, dass wir Personen und Organisationen besuchen, die sich internationale Kontakte bereits gewohnt sind. Einige von ihnen waren ja auch schon zu Gast bei Veranstaltungen der Guatemalanetze oder kennen uns durch die Arbeit mit der «Plataforma Internacional contra la Impunidad en Guatemala».

Gibt es etwas, worauf du dich besonders freust?

Da könnte ich vieles nennen. Ich freue mich auf spannende und inspirierende Begegnungen und generell, nach Guatemala zurückzukehren und zu sehen, was sich in den letzten Jahren verändert hat. Und natürlich auf frische Tortillas mit Frijoles …

Das Interview ist zuerst im Infobulletin Nr. 58 des Guatemala Netzes Zürich erschienen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s