Archiv der Kategorie: Übergeordnete Themen

Frieden von unten: 30 Jahre ATCC

Ein ganz besonderes Highlight unseres kurzen Einsatzes in Kolumbien fand letztes Wochenende in La India statt, in der Provinz Santander: Die ATCC (Vereinigung der Arbeiter und Bauern der Cararegegend) feierte ihren 30. Jahrestag mit einem dreitägigen vielseitigen Programm. Aus allen ‚unseren’ Comunidades waren die wichtigsten Vertreter eingeladen, und wir wurden gebeten diese zu begleiten. Nun mag ein Jubiläum eines Bauernvereins nicht sehr aufregend klingen, aber die ATCC ist ein aussergewöhnliches Beispiel zivilen Widerstandes mit einer aussergewöhnlichen Geschichte. Auch war sie die erste Organisation, die Peace Watch Switzerland begleitete, als die NGO vor 9 Jahren mit der Arbeit in Kolumbien begann. Entsprechend freudig wurden wir begrüsst.

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Bienvenido a la libertad, Alvaro García!

Freitag, der 13. kann auch ein Glückstag sein!

Nach 18 Monaten Haft wurde Álvaro García am letzten Freitag endlich entlassen und konnte auf seine Finca in Bella Union zurückkehren! (Siehe Post vom 21. November 2016)

Seit Frühling 2016 haben alle Equipos von PWS Álvaros Fall mitverfolgt, sind während zahllosen Verhandlungen und Anhörungen vor dem Gerichtsgebäude und vor dem Gefängnis gestanden, auch wenn es regnete, zusammen mit Vertretern anderer Organisationen, die sich wie PAS für Álvaros Freilassung einsetzten.  Und wir, das neue Begleitteam seit September, hatten das Glück bei der Freilassung dabei sein zu dürfen, und seine Heimreise zu begleiten.

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Ein unvergessliches Gespräch

Als Aco (Acompañante bzw. MenschenrechtsbegleiterIn) hat man auch freie Tage zur Erholung. Ich bin auf dem Weg nach Panachajel, Ortschaft am berühmten, weil landschaftlich so schönen Lago de Atitlán. «Warst Du schon am Lago?» hatte mich eine Kollegin kürzlich gefragt. Ich wusste genau, welchen See sie meinte, denn nur dieser schönste aller Seen von Guatemala wird abgekürzt so genannt. «Nein, aber ich will noch gehen», sagte ich, denn ich hatte mir schon lange vorgenommen, vor der Rückkehr in die Schweiz dort meine letzten freien Tage zu verbringen.

Und nun ist es soweit.

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Der «Patojismus» – selbstbestimmtes Lernen in Guatemala

Am 21. Juli kommen wir im farbenfrohen Jocotenango, nahe bei Antigua Guatemala, an. Wir freuen uns sehr darauf, uns auf dem geschmückten Schulhof unter die Kinder zu mischen, und werden dort auch herzlich empfangen. Wir finden hier eine Quartierschule, deren Gründer nicht als solcher bezeichnet werden möchte. Für ihn ist «Los Patojos» («die Kinder» in der Umgangssprache der spanischsprechenden GuatemaltekInnen) ein weitaus vollständigeres Programm als das, was die Leute gemeinhin unter «Schule» verstehen.

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Bildung die schützt. Wie PAS Jugendlichen Strategien und Instrumente zum Selbstschutz vermittelt.

Interview mit Zenaide Rodrigues, Koordinatorin von Pensamiento y Accion social (PAS) und Verantwortliche des Begleitprogrammes von PWS in Kolumbien. Sie spricht über die Beteiligung der Jugendlichen am Schutz und der Bewahrung des gemeinschaftlichen Landes.

Workshop
Zenaide Rodrigues beim Leiten des Workshops: „Stärkung der Beteiligung der Jugendlichen an der Bewahrung des gemeinschaftlichen Landes“ mit Jugendlichen des Vereins ASOCAB in Las Pavas. 19.08.2017. Foto: Guillaume Bégert (PWS).

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Von den unsäglichen Mühen einer starken Zivilgesellschaft

Guatemala braucht eine starke Zivilgesellschaft

So hiess es nach den Friedensverträgen von 1996, als das vom 36-jährigen bewaffneten internen Konflikt (Conflicto Armado Interno, CAI) schwer geprägte Land sich daranmachte, seine Wunden zu heilen.

Der vergangene 5. April, ein froher, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt ausstrahlender Marsch unter blauem Himmel mit grosser Teilnehmerzahl[1], die Begehung des internationalen Tags der Umwelt, eine «Caminata del Medio Ambiente» von Chuchuapa nach Santa Maria Ixhuatán im Departement von Santa Rosa stärkte bei mir die Überzeugung: Es gibt hier eine starke Zivilgesellschaft! Es gibt sie jedenfalls im Departement Jalapa und im Departement Santa Rosa, wo zwei Organisationen tätig sind, welche ACOGUATE begleitet.

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Angélica Choc – Urteil hinter verschlossenen Türen?

In Puerto Barrios, Izabal wird im Fall gegen Mynor Padilla (Ex-Sicherheitschef der Nickelmine CGN) am 30. November die letzte Phase des Prozesses beginnen.

(älterer Blogbeitrag zum Fall von Angélica Choc hier)

Während Angelica Choc in die Schweiz reiste, um ihren Fall vor verschiedene UNO-Instanzen zu bringen, endeten in Puerto Barrios am 17. November die mittlere Phase des guatemaltekischen Prozesses gegen den mutmaßlichen Verantwortlichen am Tod ihres Mannes. Während diesem Teil eines Strafprozesses werden Zeugen und Zeuginnen angehört und Beweise vorgelegt, er heisst „fase de debate oral y publico“ (Mündliche und öffentliche Verhandlungsphase). In Puerto Barrios geschah dies jedoch hinter verschlossenen Türen. Bereits im Februar 2016 beschloss die Richterin Ana Leticia Peña Ayala, den Prozess ohne Zugang der Öffentlichkeit abzuhalten – angeblich zum Schutz der Geschädigten.

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Landesweiter Marsch im Zeichen des Wassers

In der Woche vom 22. April 2016 fanden landesweit Märsche und Aktionen im Namen des Wassers statt, die sich am Freitag, 22. April, zum Tag der Mutter Erde in Guatemala Stadt trafen und eine Revision des Gesetzes  über das Abzweigen von Wasserläufen forderten. Viele der Organisationen oder Einzelpersonen, die wir (ACOGUATE) begleiten, beteiligten sich daran. Da unsere Begleitung jedoch nicht gefordert wurde, konnten wir leider nicht teilnehmen.

Ich hatte jedoch die Ehre, den unabhängigen Journalisten Timothy Boston kennen zu lernen, der die Bevölkerung im Aufmarsch begleitete und seine Erfahung in nachfolgendem Artikel und Fotoaufnahmen kundgibt.

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Welttag des Buches in Guatemala

Am 23. April wird weltweit der Tag des Buches gefeiert. In Guatemala Ciudad, wo entgegen vieler Erwartungen das Kulturleben sehr vielfältig und ausgeprägt ist, wird dies in unterschiedlichen Lokalen mit Lesungen und Sonderausstellungen die ganze Woche thematisiert. So habe auch ich mich entschieden, euch die Rolle des Buches in der Geschichte Guatemalas und unserer Arbeit zu erläutern und Empfehlungen über die Werke abzugeben, die mich besonders beeindruckten.

Hintergrund des Weltbuchtags
Im Jahre 1995 deklarierte die UNESCO (UN Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur) den 23. April zum „Welttag des Buches“, dem weltweiten Feiertag für Lesen, Bücher und die Rechte der AutorInnen. Dabei hat sie sich von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Darüber hinaus kommt dem Datum die weitere besondere Bedeutung zu, dass der 23. April der Todestag unter anderem von William Shakespeare, Inca Garcilaso de la Vega (Peruanischer Autor und Geschichtsschreiber, spanischer sowie Inka Abstammung) und Miguel de Cervantes ist.  In ihrer Resolution erörtert die UNESCO die Wichtigkeit des Buches als das „mächtigste Mittel zur Verbreitung des Wissens und das effizienteste Mittel zu deren Bewahrung“. In Ländern wie Guatemala mit seiner blutigen Vergangenheit, kommt dem eine besondere Bedeutung zu.

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Historisches Urteil im Fall Sepur Zarco

Gerichtsurteil Sepur Zarco – Ein Zeichen im Namen der Gerechtigkeit für die Frauen von heute, von gestern und von morgen

Wie im letzten Beitrag erwähnt (s. „Ein ereignisreicher Start ins neue Jahr sowie bei ACOGUATE“ vom 26. Febr.), haben wir letzten Monat den Gerichtsfall „Sepur Zarco“ täglich begleitet, in dem 15 Frauen des Maya Q’eqchi Volks die traurige Wahrheit von täglichen Vergewaltigungen, Sklaverei und ermordeten und entführten Familienmitgliedern ans Tageslicht brachten und von den guatemaltekischen Rechtsbehörden Gerechtigkeit einforderten. Für die Überlebenden waren das Brechen des jahrelangen Schweigens und die Einreichung der Klage ein enormer und beängstigender Schritt: Mit Hilfe psychologischer Betreuung der Organisation ECAP begannen sie nach und nach ihre Vergangenheit zu bewältigen und die oft mit sexueller Gewalt assoziierten Scham- und Schuldgefühle zu überwältigen. So lernten sie, abzugrenzen was ihnen widerfahren war und dass es keineswegs ihre Schuld war. Es blieb nur die Frage einer der Zeuginnen:

„Was sagt das Rechtssystem zu dem, was uns widerfahren ist?“

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