Schlagwort-Archive: Landkonflikt

Die Kriminalisierung der Ch’orti‘ aus Corozal Arriba geht weiter

Am 19. Mai dieses Jahres wurden José Mendez Torres, indigener Bürgermeister von Corozal Arriba sowie der Schatzmeister der selben Gemeinschaft, Melvin Álvarez García, verhaftet. Am 9. Juni nahm die Zivilpolizei Guatemalas (PNC) in der Gemeinde La Union, Departement Zacapa, Ignacio Sacarías Vasquez und eine weitere Person fest. Die Gemeinschaft (Comunidad) Corozal Arriba ist eine von vielen Ch’orti‘ Dörfern im Grenzgebiet zu Honduras und gehört zu einer Maya-Ethnie, die über 60’000 Menschen zählt. Corozal Arriba wird von COMUNDICH (Koordination von Verbänden und Gemeinschaften für die integrale Entwicklung der Ch’orti‘) begleitet, einer zivilgesellschaftlichen Organisation ohne politische, kommerzielle oder religiöse Absichten. COMUNDICH gehören 48 indigene und bäuerliche Gemeinschaften an. Die Zusammenarbeit zwischen ACOGUATE und COMUNDICH besteht seit 2007.

Die Kriminalisierung der Ch’orti‘ aus Corozal Arriba geht weiter weiterlesen

Der «Día Internacional de la Madre Tierra» in El Estor

22. April – Internationaler Tag der Mutter Erde, nicht Tag der ‘Umwelt’ oder Tag der ‘Schöpfung’

So wurde es am 22. April 2009 von den Vereinten Nationen mit der Resolution A/RES/63/278 festgelegt.[1] Es gibt viele internationale Tage, aber ohne Gesicht bleiben sie Pflicht oder leere Hülse. So erging es mir bisher mit dem 22. April. Er war ein gewöhnlicher Tag, wenn er nicht auf Ostern fiel. Das hat sich geändert, seit ich als Menschenrechtsbeobachterin für ACOGUATE tätig bin. Der Tag trägt nun das Gesicht von Angélica Choc, einer aussergewöhnlichen Frau, welche seit der Tötung ihres Gatten Adolfo Ich Chamán am 27. September 2009 nicht nur Witwe, sondern zur unentwegten Menschenrechtsverteidigerin wurde. Mit der Namensgebung «Dia de la Madre Tierra» haben die Vereinten Nationen damals bewusst ein Zeichen zur Anerkennung der indigenen Völker gesetzt. Zwei Acos durften den wichtigen Gedenktag kürzlich vor Ort beim Haus von Angélica Choc in El Estor am Lago de Izabal miterleben. Wie kam es dazu?

Der «Día Internacional de la Madre Tierra» in El Estor weiterlesen

Las Pavas – Ein Hühnerzuchtprojekt und keine Neuigkeiten zum Rückkehrplan

Unsere zweitletzte Reise nach Las Pavas führte uns direkt auf die Finca von Cindy und Yamit. Sie leben seit April 2015 mit ihren beiden kleinen Kindern in Las Pavas. Besonders zu Beginn wurde Yamit regelmässig von den Arbeitern der Palmölfirma Aportes San Isidro verbal eingeschüchtert. Die Arbeiter drohten, seine Pflanzungen zu zerstören, ihn anzugreifen und die Finca niederzubrennen. Zwischenzeitlich hat sich die Lage etwas beruhigt und die Familie wird nicht mehr bedroht. Aus Angst vor Angriffen auf die Finca bleibt jedoch immer mindestens eine Person dort.

Am Tag vor unserer Anreise erhielt die Familie eine Solarzelle zugeteilt. Nebst elektrischem Licht produziert die Zelle auch Strom, um die Mobiltelefone aufzuladen und um ein Radio zu betreiben. Vorher brachte man die Mobiltelefone entweder bei den Nachbarn vorbei, die bereits eine Solarzelle hatten, oder unternahm den knapp einstündigen Ritt ins Dorf Buenos Aires. Die Familie hofft, bald eine zweite Solarzelle zu erhalten, damit sie genug Strom haben, um vielleicht sogar einmal einen Fernseher anzuschliessen.

Las Pavas – Ein Hühnerzuchtprojekt und keine Neuigkeiten zum Rückkehrplan weiterlesen

El Guayabo / Bella Unión: Ein Gefängnisbesuch und eine Hochzeit

Am 6. Mai 2016 berichteten wir über die Verhaftung des Leader Álvaro Garcia vom 24. April 2016. Álvaro ist noch immer im Gefängnis in Barrancabermeja und wartet auf seine erste Anhörung. Diese muss gemäss kolumbianischem Recht innerhalb der ersten 90 Tage nach der Verhaftung stattfinden. Bis jetzt wurde noch kein Datum bekannt gegeben.

Die Ungewissheit ist für Álvaro und seine Familie schwierig. Wegen der langen und beschwerlichen Anfahrt sowie den damit verbundenen hohen Kosten hat ihn bis anhin nur eines seiner sieben Kinder im Gefängnis besuchen können.

El Guayabo / Bella Unión: Ein Gefängnisbesuch und eine Hochzeit weiterlesen

Gute Nachrichten aus Las Pavas

Rückkehrplan und geplanter Ausbau von Infrastruktur

Die ca. 120 Kleinbauernfamilien von Las Pavas, welche sich in der Bauerngemeinschaft ASOCAB (Asociación de Campesinos de Buenos Aires) zusammengeschlossen haben, wurden im Jahr 2003 das erste Mal von ihrem Land vertrieben. In den Folge-jahren kam es zu drei Rückkehrversuchen, jedoch mussten die KleinbäuerInnen aus Sicherheitsgründen ihr Land jedes Mal erneut verlassen. Die vierte und letzte Vertreibung fand im Jahr 2009 durch die Sicherheitskräfte der Palmölfirma Aportes San Isidro statt. Gute Nachrichten aus Las Pavas weiterlesen

Leader verhaftet, Hausdurchsuchungen, Haftbefehle

Die Ereignisse in El Guayabo und Bella Unión haben sich in den letzten Tagen überschlagen. Am frühen Morgen des 24. April 2016 kam es in den Gemeinden El Guayabo und Bella Unión zu Hausdurchsuchungen sowie einer Verhaftung. Die Hausdurchsuchungen fanden in den Häusern und Fincas von vier Führungsmit-gliedern (leader) der Gemeinden statt. Nur einer der leader, Álvaro García, hielt sich zum Zeitpunkt der Durchsuchung in seinem Haus auf. Er wurde verhaftet und noch am selben Tag nach Barrancabermeja gebracht. Ihm wird unter anderem illegaler Besitz und Herstellung von Waffen sowie organisierte Kriminalität vorgeworfen. Die Anschuldigungen gründen auf Vorkommnissen vom Oktober und Dezember 2014, als es zu einer von starker Polizeipräsenz begleiteten Räumung einer Finca kam (siehe Infos dazu auf diesem Link (englisch)). Ob die anderen drei leader ebenfalls zur Verhaftung ausgeschrieben wurden, war zu diesem Zeitpunkt unklar. Leader verhaftet, Hausdurchsuchungen, Haftbefehle weiterlesen

El Guayabo – Die Idylle trügt

Seit über zweieinhalb Jahren werden die Gemeinden El Guyabao und Bella Unón vom Grossgrundbesitzer Rodrigo Lopez Henao, welcher Anspruch auf das Land der Gemeinden erhebt, bedroht und schikaniert. Obwohl die Gemeindemitglieder die Vorfälle – u. a. Bedrohungen, unerlaubtes Betreten und Nutzen der Grundstücke und gezielte Zerstörung – immer wieder anzeigen, ist es bis anhin noch nie zu einer Verurteilung gekommen. Auch der Bitte nach staatlichem Schutz sind die Behörden nicht nachgekommen. Viel mehr treten Vertreterinnen der Behörden immer wieder zusammen mit Henao in Erscheinung. Erst diese Woche erschien Henao zum Beispiel unangekündigt und grundlos in Begleitung von Polizisten, um das Land von zwei Gemeindemitgliedern zu vermessen. Solche Aktionen zeigen das Machtungleichgewicht.

Sibylle Schaffhauser und Monika Stucki, Barrancabermeja, 6. Mai 2016

 

Das Ch’orti‘ Volk schreibt Geschichte

Bereits zum vierten Mal konnte ich letztens im Rahmen meines Freiwilligen-Einsatzes in den „Oriente“ Guatemalas in die Departemente Chiquimula und Zacapa reisen, um dort die COMUNDICH (Koordination für die integrale Entwicklung der Verbände und indigenen Gemeinschaften des Maya Volkes der  Ch’orti‘) zu begleiten. Die Reise in die Region der Ch’orti‘ bringt einen Wechsel des Klimas sowie der Landschaft und der Nahrung mit sich und ist immer eine schöne Abwechslung zur hektischen Hauptstadt. Die COMUNDICH unterstützt die Gemeinschaften im Kampf um die Anerkennung als autonome Gemeinschaften und insbesondere ihres Rechts auf ihr Land. In vielen Gemeinden bestehen Landkonflikte, da ihre Urrechte (derecho ancestral) in der Vergangenheit ignoriert und ihr Land verkauft wurde und heute darauf Kaffee-Fincas betrieben werden.

Feier des Abkommens über die Rechte Indigener Völker
Dieses Mal lud die Organisation zur 20-Jahr-Feier der Friedensabkommen und insbesondere des Abkommens über die Identität und Rechte der Indigenen Völker, das im März 1995 unterzeichnet wurde. Dazu wurden VertreterInnen unterschiedlicher Maya Völker, insbesondere aber die vielen Gemeinschaften der Maya Chorti eingeladen, sich an einem kulturellen Anlass zu beteiligen, einer Maya-Zeremonie und dem historischen Rückblick beizuwohnen. Musikalische Begleitung einer guatemaltekischen Folkloregruppe, Stelzenaufführung und Gesang der Jugend sorgten für Unterhaltung. Im Rahmen des Kulturanlasses wurde aber auch Anerkennungen für den ausdauernden Einsatz einzelner Personen der Gemeinschaft im Kampf für die Anerkennung ihrer Rechte als indigenes Volk und insbesondere auch als Frauen und für das Wohl ihrer Gemeinschaften ausgesprochen.

IMG_0247
Versammlung am Fussballplatz zur Feier der Rechte Indigener Völker (Foto: Nadia Fourti, PWS)

Das Ch’orti‘ Volk schreibt Geschichte weiterlesen

Erster Augenschein vor Ort

Seit dem 13. März 2016 sind wir als Menschenrechtsbeobachterinnen für Peace Watch Switzerland (PWS) in der Region Magdalena Medio im Einsatz. In den nächsten vier Monaten werden wir die Kleinbäuerinnen und -bauern der Dorfgemeinschaften Las Pavas/Buenos Aires, El Garzal/Nueva Esperanza und El Guayabo/Bella Union im gewaltfreien Kampf um ihre Landrechte begleiten. In allen drei Dorfgemeinschaften wird den Menschen ihr Land auf unterschiedlichste Art und Weise und durch verschiedenste Aggressoren streitig gemacht.

Während der Einführung durch unsere Koordinatorinnen der lokalen Partnerorganisation Pensamiento y Acción Social (PAS) trafen wir uns mit diversen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen. Auch konnten wir auf einer viertägigen Reise in die Dorfgemeinschaften erste Eindrücke vor Ort sammeln. Es bestätigte sich einmal mehr, dass die Mühlen des kolumbianischen Staates langsam mahlen, sodass der Bericht von Karin Leisibach vom März 2015 kaum an Aktualität verloren hat (http://peacewatch.ch/fileadmin/user_upload/colombia/dokumente/Einsatzbericht_Kolumbien_24.3.15_Karin_Leisibach-2.pdf).

Die nächste längere Reise in die Dorfgemeinschaften steht bereits an. Auf diesem Blog werden wir über die (Teil)erfolge, Rückschläge, Freuden und Sorgen der campesin@s berichten.

Monika Stucki und Sibylle Schaffhauser, Barrancabermeja, 28. März 2016

Berta Cáceres ist nicht gestorben – sie hat sich vervielfacht

Ich war im Herbst 2014 bis anfangs 2015 während etwas mehr als fünf Monaten für Peace Watch Switzerland als Menschenrechtsbeobachter im Einsatz in Honduras und habe in dieser Zeit regelmässig auf diesem Blog von meinen Erfahrungen berichtet. Obwohl ich nun bereits seit einem Jahr zurück in der Schweiz bin, verfolge ich nach wie vor ein wenig, was in Honduras vor sich geht.

Am 3. März erhielt ich die traurige Nachricht, dass Berta Cáceres, eine der wichtigsten und bekanntesten Persönlichkeiten der Menschenrechts- und Umweltschutzbewegung in Honduras Opfer eines grausamen Mordanschlags wurde. In der Nacht auf den 3. März sind zwei vermummte Personen in ihr Zuhause eingedrungen, haben sie brutal überwältigt und mit mehreren Schüssen getötet.

Berta Cáceres ist nicht gestorben – sie hat sich vervielfacht weiterlesen